Die Buch-Rezension „Sternenjäger“ von Jon Larsen

Sternenjäger, Quelle: Benevento

Jeden Tag rieselt unbemerkt tonnenweise Sternenstaub auf die Erde. In seinem Buch „Sternenjäger“ schildert der Norweger Jon Larsen unterhaltsam und detailliert von seiner langjährigen Suche nach Mikrometeoriten, die am Ende vom Erfolg gekrönt war.

Es war purer Zufall, dass der norwegische Jazz-Gitarrist und Hobbymineraloge Jon Larsen das erste Mal Staub mit anderen Augen zu sehen begann. Auf seinem Frühstückstisch fand er ein kleines glitzerndes Staubkorn und berührte den winzigen Stein mit seinen Fingern. Woher stammte er? Kam er aus dem Universum? Bei seiner Recherche im Internet landete er bei dem Thema Mikrometeoriten und Sternenstaub, doch die konnten bisher nur in der Antarktis und im Weltall nachgewiesen werden. „Aufs Neue reichten plötzlich die Stunden des Tages nicht aus, um den ungeheuren Appetit auf etwas zu befriedigen, von dem ich nicht wusste, was es war.“ Larsen packte das Jagdfieber nach Sternenstaub. Pro Tag sollen circa hundert Tonnen auf die Erde fallen, eine Menge, die zwei große Lastwagen mit Sand entspricht.

Sein Fund warf aber auch tiefgreifende Fragen auf, wie entstand das Leben auf der Erde und woher kam das Wasser. „Wir sind aus Sternenstaub geschaffen und leben auf einem winzigen blauen Punkt … Das Gleichgewicht des Lebens ist ausgesprochen filigran. Eigentlich gibt es für nichts anderes Raum als für Freundlichkeit.“

Auf der Jagd nach Mikrometeoriten

In seinem Buch erzählt der leidenschaftliche Sternstaubjäger unterhaltsam von seiner siebenjährigen Suche, um außerirdisches Material von irdischem Staub unterscheiden zu können, verbunden mit Einblicken aus dem Leben als Jazzgitarrist und Maler. Mit einfachen Mitteln suchte er in den Straßen und später auf Dächern, obwohl die Wissenschaft und die NASA behaupteten, dass es nicht möglich sei, Mikrometeoriten in bewohnten Gebieten zu finden. Unter einem Mikroskop offenbarte sich ihm ein fantastischer Detailreichtum. Mit der Zeit gelang es ihm, einzelne Staubpartikel zu unterscheiden, sie zu systematisieren und zu klassifizieren. Somit konnte er endlich Mikrometeoriten identifizieren. Er bewies, dass sie sich auf der ganzen Welt finden lassen. Sie gehören zu den ältesten Partikeln des Sonnensystems und jeder Einzelne erzählt dabei eine einzigartige Geschichte einer anderen Welt.

Das autobiografische Wissenschaftsbuch „Der Sternenjäger“ ist eine faszinierende und unterhaltsame Wissenschaftsgeschichte über einen Mann, der ausgestattet mit Neugierde und Hartnäckigkeit, allein auf sich gestellt und entgegen der wissenschaftlichen Meinung, sich auf eine abenteuerliche Suche nach Sternenstaub macht. In seinem Buch erzählt Larsen nicht nur die Geschichte seiner Suche, sondern vermittelt auch Wissen über Meteoriten, Untersuchungsmethoden und Klassifizierungsmöglichkeiten. Manches mag für Laien zu detailliert und in die Tiefe beschrieben sein, aber für interessierte Sternenstaubjäger bietet das Buch eine Fülle an Anregungen.

Und noch eins zeigt das Buch eindrucksvoll auf, auf der Erde gibt es noch unlängst unerforschte Gebiete, wie der Staub auf unseren Straßen, die darauf warten entdeckt zu werden. Moderne wissenschaftliche Erkenntnisse sind nicht notwendigerweise für alle Zeiten in Stein gehauene Wahrheit. Viele wissenschaftliche Aufsätze führen eher in die Irre, als dass sie den richtigen Weg weisen, diese Erkenntnis machte Larsen.

Kurz&Knapp: Lesenswert. Eine fantastische, wahre Geschichte über die erfolgreiche Suche nach Sternenstaub auf der Erde.

Jon Larsen
Der Sternenjäger
Meine Suche nach dem Stoff, aus dem das Universum gemacht ist
Hardcover, 344 S.
Benevento, 2019

Auch als eBook erhältlich.

Jon Larsen, 1959 in Norwegen geboren, ist ein international renommierter Jazzgitarrist, Produzent und Komponist – und Gastwissenschaftler an der Universität von Oslo, wo er sich der Erforschung von Sternenstaub widmet. Seine Methode zur Identifizierung von Mikrometeoriten wurde vom Discover Magazine zum bedeutendsten wissenschaftlichen Fund des Jahres 2017 gekürt.

Ich danke Benevento für das Rezensionsexemplar.