Die Buch-Rezension „Kraftorte der Natur im Spiegel der Volksmärchen“ von Jürgen Wagner

Kraftorte der Natur, Quelle; Epubli

Märchen und magische Plätze in der Natur können Kraftquellen für den eigenen Lebensweg sein. Jürgen Wagner zeigt in seinem Buch die vielfältigen Bedeutungen von kraftvollen Orten im Märchen und in der Natur auf.

In deutschen Volksmärchen ist der Wald einer der häufigsten magischen Orte, dicht gefolgt von Wasserorten und Bergen. Der Wald im Märchen ist ein Ort der Geheimnisse und Überraschungen. Die Natur war für unsere Vorfahren nicht nur Lebensgrundlage, sondern sie prägte auch die Menschen und ihre Mythen. Quellen, Berggipfel, ungewöhnliche Felsformationen und Waldlichtungen hatten auf sie eine besondere Ausstrahlung. Bei Kelten und Germanen gab es heilige Plätze in der Natur, die besonders verehrt wurden und um die sich oft alte Sagen ranken.

Jürgen Wagner nähert sich in seinem Buch „Kraftorte der Natur“ diesen magischen Orten über alte Volksmärchen. Märchen beinhalten altes Wissen über das Mysterium des Lebens, das jeder von uns tief in sich trägt. Die Ursprünglichkeit der Natur ist größtenteils verloren gegangen, aber es gibt immer noch besondere Orte. Berge, Bäche, Bäume, Wälder, Höhlen und Seen haben in Märchen unterschiedliche Bedeutungen, denen Jürgen Wagner nachgeht. Quellen und auch Brunnen sind für die Menschen beispielsweise schon immer Orte voller Wunder und Geheimnisse gewesen. Wasser reinigt, läutert, löst und heilt.

Magische Orte in Märchen

„Hänsel und Gretel“, „Rotkäppchen“ und „Schneewittchen“ kennt jeder, das sind die Klassiker der Gebrüder Grimm. Jürgen Wagner hat 12 weniger bekannte, aber nicht minder faszinierende Volksmärchen aus verschiedenen Ländern ausgewählt, in denen jeweils ein besonderer Ort eine wichtige Rolle spielt. „Alle magischen Märchenorte können Tor, Übergang und Brücke in andere Welten und Wirklichkeiten sein.“ Alle Orte im Märchen sind mehr als „reine Bühnenbilder“. Eine Höhle kann Schutz aber auch Bedrohung und Gefangenschaft bedeuten. Manchmal spiegeln Orte auch die Befindlichkeit der Hauptfigur wider. Märchen sind mehr als nur erbauliche Geschichten, der Autor interpretiert sie und zeigt alte versteckte Lebensweisheiten auf. Die uralten Weisheiten in den Märchen verbunden mit Orten der Kraft lassen sich auch heute für das eigene Leben nutzen. Sie lassen innehalten, regen zum Nachdenken an und können bei der Integration von Lebensthemen helfen. „Die Märchen öffnen immer einen Raum, der Wunder und Wunderbares zulässt – auch für Menschen des 21. Jahrhunderts.“

Kraftvolle Orte in der Natur

In ihrem Vorwort regt Heidi Christa Heim an, den kraftvollen Orten in der Natur wieder mehr Beachtung zu schenken. Es müssen nicht gleich die Externsteine im Teutoburger Wald oder der Untersberg im Salzburger Land sein. An einem nahen Bach, bei alten Bäumen oder in einem alten Park kann man in der eigenen Umgebung Orte finden, die eine besondere Ausstrahlung haben – sie schenken Kraft oder Entspannung. Jürgen Wagner empfiehlt zusätzlich, an Orten, die man besonders schätzt, eine kleine Gabe oder einen Dank dazulassen. „Wir empfangen sehr viel von der Erde und dürfen ihr ruhig etwas zurückgeben – von unseren Herzen und unseren Händen.“

Kurz&Knapp: Lesenswert. Ein Buch voller Märchen, das uns die Augen für die Magie der Natur öffnet und sie wieder lebendig werden läßt.

Jürgen Wagner
Kraftorte der Natur
Im Spiegel der Volksmärchen
Softcover, 180 S.
Epubli, 2015

Jürgen Wagner, Jahrgang 1957, Studium der Theologie und Philosophie in Tübingen, Jerusalem, Hamburg. Promotion über „Gelassenheit“ bei Meister Eckhart und Martin Heidegger. Arbeit als Evang. Pfarrer in versch. Gemeinden.

Ich danke Epubli für das Rezensionsexemplar.