Die Thriller-Rezension “Der Fuchs“ von Frederick Forsyth

Forsyth Der Fuchs, Quelle: C. Bertelsmann

Cyber-Spionage eröffnet im digitalen Zeitalter eine Vielzahl neuer Möglichkeiten. Der Bestellerautor Frederick Forsyth thematisiert in seinem Buch “Der Fuchs“ wie ein reaktivierter britischer Spion die „Bösen“ raffiniert austrickst.

Nachdem ein britischer Hacker, „Der Fuchs“ genannt, die geheime Datenbank der amerikanische NSA gehakt hatte, beauftragt die britische Premierministerin Sir Adrian, ein pensionierter Spion des MI6, sich des Falles anzunehmen. Der geniale Hacker ist alles andere, als ein gefährlicher Cyber-Krimineller. Der 18-jährige Luke hat das Asperger-Syndrom und kommt in der wirklichen Welt nicht gut zurecht, nur vor dem Computer fühlt er sich wirklich wohl. Luke konnte „im Cyberspace Dinge tun, die niemand je getan, und Orte aufsuchen, die niemand je gesehen hatte“.

Mit Hilfe des Jungen, der die Computer- und Waffensysteme der Supermächte manipulieren kann, plant Sir Adrian „die größte Täuschungsaktion in der Geschichte der Cyberwelt“. Er sorgt für die Sicherheit des Jungen, nutzt seine weitreichenden Beziehungen und spielt ein weltweites Spiel.

Cyber-Spionage und tote Briefkästen

Forsyth taucht auch in seinem neuesten Thriller „Der Fuchs“ tief in Welt der Nachrichtendienste und der Spionage ein und thematisiert das aktuelle politische Weltgeschehen. Heutzutage stehlen Spione keine einzelnen Dokumente mehr, sondern die Informationsbeschaffung erfolgt durch Cyberangriffe. Trotzdem haben die alten klassischen Methoden noch nicht ausgedient, da das Abfangen von Nachrichten zum Kinderspiel geworden ist. Persönliche Begegnungen in abhörsicheren Örtlichkeiten und tote Briefkästen gehören weiterhin zu dem üblichen Repertoire der Geheimagenten.

Forsyth zeichnet ein recht einseitiges Bild von der Welt und lässt keinen Zweifel daran, wer die Guten sind? Die Bösen sind die Russen, Iraner und Südkoreaner, die greifen auch gern zu grausamen Methoden. Anders die Guten, allen voran der ehrenwerte Sir Adrian. „Seine bevorzugte Methode war es stets gewesen, den Gegner zu täuschen, zu überlisten und auszutricksen.“

Moderne Welt der Spionage

In seinem Thriller „Der Fuchs“ vermischt Forsyth Fiktives mit aktuellem Zeitgeschehen, wie die Fälle von Snowden und Skripal. Forsyth gibt faszinierende und erschreckende Einblicke in die verborgene Welt der Geheimdienste, aber die Geschichte liest sich mehr wie ein unterhaltsamer Lagebericht als ein atemberaubender Thriller. Es tauchen alle Elemente auf, die einen guten Spionagethriller auszeichnen, unzählige Personen und Organisationen, über den ganzen Erdball verstreute Schauplätze und reichlich Action-Szenen, aber der Funke will einfach nicht überspringen. Bis auf den brillanten „Strippenzieher“ Sir Adrian und seinem russischen Gegenpart wirken die Personen blass und die Handlung löst keine Emotionen beim Lesen aus. Dennoch vermittelt das Buch auf unterhaltsame Art Einblicke in die moderne Welt der Spionage und wirft weltpolitische Fragen auf, die nachdenklich stimmen. Wie groß ist das Gefahrenpotenzial, das von Cyberattakten ausgeht? Sicher ist jedenfalls, dass das digitale Zeitalter eine Vielzahl neuer Möglichkeiten eröffnet.

Kurz&Knapp: Bedingt lesenswert. Ein unterhaltsamer Spionage-Thriller im digitalen Zeitalter.

Frederick Forsyth
Der Fuchs
Hardcover, 321 S.
C. Bertelsmann Verlag, 2019

Auch als eBook erhältlich.

Frederick Forsyth, geboren 1938 in Ashford/Kent, war mit 19 Jahren jüngster Pilot der Royal Air Force, arbeitete danach als Reporter und wurde Korrespondent der Agentur Reuters. Er berichtete u.a. aus der DDR. 1965 ging Forsyth als Reporter zur BBC. Mit „Der Schakal“ gelang ihm als Romanautor der internationale Durchbruch. Bis heute wurden seine Titel weltweit mehr als 70 Millionen Mal verkauft.

Ich danke C. Bertelsmann/Random House für das Rezensionsexemplar.