Die Thriller-Rezension „Grave – Verse der Toten“ von Douglas Preston und Lincoln Child

Grace, Quelle: Knaur HC

Eine Serie bizarrer Morde hält Miami in Angst und Schrecken. Top-Ermittler Pendergast und sein neuer Kollege Coldmoon werden in dem Thriller „Grave – Verse der Toten“ von Douglas Preston und Lincoln Child mit den Ermittlungen betraut und geraten selbst in Gefahr.

Eigentlich ist der unter Palmen liegende Friedhof Bayside eine Oase der Ruhe und des Friedens im hektischen Treiben der Metropole Miami. Als ein Killer das Herz eines Opfers auf ein Grab hinterlegt, ist es mit der sprichwörtlichen Friedhofsruhe vorbei. Bestand möglicherweise eine Verbindung zwischen dem Opfer und der Toten, auf derem Grab das Herz gefunden wurde? Noch brisanter ist ein Brief, unterzeichnet mit „Mr. Brokenhearts“, den der Täter hinterlässt und in dem er ankündigt, dass noch weitere Personen „Geschenke“ erhalten werden.

Ein neuer Fall für Pendergast

Mit den Ermittlungen wird FBI-Special-Agent Aloysius Pendergast betraut, der den kniffligen Fall lösen soll. Allerdings zwingt ihn sein neuer Chef, Agent Coldmoon als neuen Partner zu akzeptieren. Der zurückhaltende Coldmoon, der Pendergast überwachen soll, ist beeindruckt von seinem Kollegen. Er bewundert „seine chamäleonartige Fähigkeit, mit Menschen aus allen Schichten der Bevölkerung klarzukommen, ob nun auf grobe oder freundliche Weise, und vorübergehend verschiedene Masken aufzusetzen, je nachdem, was die jeweilige Situation erforderte.“

Bei dem einen Mord bleibt es natürlich nicht, der Täter scheint sich als Serienmörder zu entpuppen. Während es zwischen den Opfern keinerlei Verbindung zu geben scheint, stellt sich heraus, dass es sich ausnahmslos um Gräber von Selbstmörderinnen handelt. Was haben die toten Frauen mit den neuen Morden zu tun? Bei den unorthodoxen Ermittlungen wird Pendergast und Coldmoon klar, dass die Lösung des Rätsels weit in der Vergangenheit liegen muss. Wenn sie ihn nicht aufspüren, wird er weiter morden. Und zwar bald.

Allen Widrigkeiten zum Trotz

Mit Coldmoon hat Pendergast einen neuen Partner zu Seite gestellt bekommen. Der Halb-Sioux Agent Coldmoon sorgt neben dem Kult-Ermittler für kurzweilige Ermittlungen, die sich in dem neuesten Thriller aber ziemlich in die Länge ziehen, bis es beim Finale wieder richtig spannend wird.

Pendergast ist schon ein grandioser Ermittler, den nichts aus der Ruhe zu bringen scheint. Trotz der Schwüle und Hitze im Sonnenparadies Miami lässt er es sich nicht nehmen, überall in seinem schicken schwarzen Anzug aufzutauchen, selbst in der Sauna.
Coolmoon dagegen läuft in seinen betagten Klamotten durch die Gegend, hat aber auch seine besonderen Eigenheiten, wie die ganz spezielle Zubereitungsart seines Kaffees. Die beiden sind sich auf eine gewisse Art sympathisch, aber die Fronten, wer der Chef ist, sind klar geklärt. „Sie werden noch lernen – falls Sie das nicht bereits getan haben -, dass Unbotmäßigkeiten im Leben nicht nur notwendig, sondern bisweilen auch beglückend sind“, erklärt Pendergast seinem Partner.

Pendergast muss seine ganze Erfahrungen und seine unorthodoxe Ermittlungsmethoden einbringen, um dem Täter auf die Schliche zu kommen. „Grave – Verse der Toten“ ist ein unterhaltsamer Thriller, der spannend ist und mit einigen überraschenden Wendungen aufwartet. Zu Recht steht natürlich der absolut coole und snobistische Superagent Pendergast im Mittelpunkt des Geschehens. Es ist ein Genuss, ihm bei seinem Ermittlungen über die Schulter zu schauen und zu erleben, wie er sich auf seine ganz spezielle Art gegen alle, sogar gegenüber seinem neuen Chef, behaupten kann.

Kurz&Knapp: Ein unterhaltsamer Thriller mit dem absoluten Ausnahmeermittler Pendergast.

Douglas Preston, Lincoln Child
Grave – Verse der Toten
Ein neuer Fall für Special Agent Pendergast
Ein Fall für Special Agent Pendergast 18
Gebundenes Buch, 384 S.
Knaur HC, Auflage, 2019

Auch als eBook erhältlich.

Douglas Preston wurde 1956 in Cambridge, Massachusetts, geboren. Er studierte zunächst Naturwissenschaften und Englische Literatur. Nach dem Examen startete er seine Karriere beim „American Museum of Natural History“ in New York. Eines Nachts, als Preston seinen Freund Lincoln Child auf eine mitternächtliche Führung durchs Museum einlud, entstand dort die Idee zu ihrem ersten gemeinsamen Thriller, „Relic“, dem viele weitere internationale Bestseller folgten. Er lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern an der Ostküste der USA.

Lincoln Child wurde 1957 in Westport, Connecticut, geboren. Nach seinem Studium der Englischen Literatur arbeitete er zunächst als Verlagslektor und später als Programmierer und System-Analytiker. Während der Recherchen zu einem Buch über das „American Museum of Natural History“ in New York lernte er Douglas Preston kennen und entschloss sich nach dem Erscheinen des gemeinsam verfassten Thrillers „Relic“, Vollzeit-Schriftsteller zu werden. Er lebt mit Frau und Tochter in New Jersey.

Ich danke Knaur HC für das Rezensionsexemplar.