Die Roman-Rezension „Der Mann, der in die Bilder fiel“ von Leif Karpe

Der Mann der in die Bilder fiel, Quelle: Nagel&Kimche

Die Meisterwerke des Impressionismus stehen im Mittelpunkt des unterhaltsamen und spannenden Kunst-Krimis „Der Mann, der in die Bilder fiel“ von Leif Karpe. Ein kunstvoll inszeniertes Roman-Debüt mit vielen abenteuerlichen Facetten zwischen Schein und Sein und voller begehbarer Bilder.

Peter Falcon hat vor zwei Jahrzehnten der Kunstwelt den Rücken gekehrt und in New York einen kleinen Comicladen eröffnet. Der Laden läuft aber alles andere als gut, der 44-jährige Lebenskünstler steht „mit hängenden Schultern und einer sich lichtenden Kopfbehaarung“ kurz vor dem Bankrott. Da taucht sein alter Studienfreund Charlie White auf und unterbreitet ihm ein lukratives Angebot. Er soll für Auktionshaus Chroseby nach Paris fliegen, sich als Gutachter ausgeben und sich mit der ansehenden Kunstexpertin Bernardine Blumenstihl treffen. Er soll ihr ein Schweigegeld anbieten, damit sie Stillschweigen darüber bewahrt, dass es sich bei der „Sternennacht“ von Van Gogh und Bildern der kommenden Herbstauktion möglicherweise um Fälschungen handeln könnte.
Europa ist für Peter Neuland und eine anspruchsvolle Herausforderung, aber er erliegt sofort dem Flair des Pariser Künstlerviertels Montmartre. Noch ahnt er nicht, was sein Auftrag ihm alles abverlangt und wohin ihn das Abenteuer führen wird.

In seinem Romandebüt „Der Mann, der in die Bilder fiel“ geht es Leif Karpe um die internationale Kunstszene und Kunstfälschungen, aber auch um ein undurchsichtiges Spiel aus Spekulationen, Maskerade und Erpressungen. „Manchmal hängt der Erfolg einer Fälschung nicht vom Fälscher ab, sondern vom Wunschdenken der Entdecker.“ Im Mittelpunkt stehen dabei die Meisterwerke des Impressionismus.

Der Bilderflüsterer

„Der Mann, der in die Bilder fiel“ ist ein unterhaltsamer und spannender Roman, der aber viel mehr als ein Krimi ist. Frei nach dem Motto „Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen“ lässt Karpe seine Hauptfigur in einen Strudel von nicht vorhersehbaren Ereignissen und überraschenden Wendungen regelrecht taumeln. Da hilft Peter auch seine besondere Gabe nichts. Er hat einen besonderen Zugang zur Kunst und zu Gemälden. „Wenn er sich vor eines der Bilder setzte, sich auf es einließ, in es eintauchte, begannen diese, mit ihm zu sprechen!“ Aber nicht nur das, fast erscheint es so, als wenn er berühmte Bilder der Impressionisten lebendig werden lassen könnte.

Die berühmten Bilder von Van Gogh, Monet, Degas und anderen Künstlern spielen für die Handlung eine wichtige Rolle. Karpe lässt Peter tief in die Bilder eintauchen und haucht ihnen somit neues Leben ein. In seinem Roman baut er aber nicht nur wundervolle begehbare Bilder ein, sondern auch zahlreiche Zitate mit Ein- und Ausblicken über Kunst. „Was ist das, was du siehst? Die Wahrheit? Einen Traum? Die Welt!“, zitiert Karpe den spanischen Dichter Luis Cernuda. Besser lässt sich der Roman in wenigen Worten wohl nicht beschreiben.

Ausdrucksstark und in einer sehr bildhaften Sprache stürzt Karpe seine Hauptfigur in immer neue abenteuerliche Kapriolen. Lange durchschaut Peter nicht, wer welches Spiel mit ihm spielt. Welche Rolle spielen sein Freund Charlie White, die Kunstexpertin Blumenstihl, der geheimnisvolle Legros und die schöne Florence wirklich?

Kurz&Knapp: Lesenswert. Ein unterhaltsames Romandebüt über die schillernde Welt der Impressionisten aufregend anders verpackt in einem spannenden Krimi.

Leif Karpe
Der Mann, der in die Bilder fiel
Ein Fall für Peter Falcon
Hardcover, 272 S.
Nagel&Kimche, 2020

Auch als eBook erhältlich.

Leif Karpe, geboren 1968, wuchs im Schwarzwald, in Brasilien und im Ruhrgebiet auf. Seit über zwanzig Jahren arbeitet er als Regisseur und Kameramann für Dokumentar- und Spielfilme mit dem Schwerpunkt Kunst. Dabei sind u. a. Produktionen über Sandro Botticelli, Andy Warhol, Jeff Koons, Ai Weiwei und William Turner entstanden.“Der Mann, der in die Bilder fiel“ ist sein erster Roman.

Ich danke Nagel & Kimche für das Rezensionsexemplar.