Die Krimi-Rezension „Das Bild der Pyramide“ von Andrea Camilleri

Das Bild der Pyramide, Quelle: Lübbe

Sizilianische Lebensart und Korruption in der Baubranche sind die unterhaltsamen Bestandteile des Krimis „Das Bild der Pyramide“ des italienischen Beststellerautors Andrea Camilleri. Der sympathische, aber auch etwas schrullige Commisario Salvo Montalbano ermittelt in mysteriösen Mordfall.

Seit mehr als zwei Wochen gießt es pausenlos wie aus Kübeln in dem kleinen sizilianischen Städtchen Vigata und im ganzen Land. Commisario Salvo Montalbano schreckt mitten in der Nacht von einem bösen Albtraum auf. Er war durch einen stockdunklen Tunnel gelaufen und hinter ihm schleppte sich ein Mann, der keuchte und nach Luft rang. Dann hörte er einen dumpfen Aufprall und der Mann lag bäuchlings auf dem Boden. Zwischen seinen Schulterblättern steckte ein großes Küchenmesser. Anschließend stürtzte der Tunnel in sich zusammen. Kurz nachdem Montalbano wieder einschläft, klingelt das Telefon, auf einer Baustelle hat man eine Leiche gefunden.

Nach den sintflutartigen Regenfällen ist die Baustelle zu einer bodenlosen Schlammlandschaft geworden. In einem frisch angelegten Tunnel werden hohe Betonrohre im Erdreich verlegt. Der Ermordete, der sich bis ans Ende des Tunnels schleppte, ist Gerlando Nicotra, der als Buchhalter für eine große Baufirma arbeitete, die mit dem Bau einer Wasserleitung beauftragt war. Montalbano vermutet, dass ihn der Ermordete eine Botschaft hinterlassen wollte, und nimmt die Ermittlungen auf.

Korruption in der Baubranche

Bald stellt sich heraus, dass es nicht nur einen Mordfall gibt, sondern dass auch Inge, die deutsche Ehefrau des Opfers, und ein geheimnisvoller älterer Mitbewohner verschwunden sind. Angeblich war es ein pflegebedürftiger Onkel, aber niemand hat ihn gesehen oder kennt seinen Namen. Im Haus gibt es nicht einmal Fingerabdrücke von ihm. Der Kommissar und seine Mitarbeiter Augello, Fazio und Gallo kommen bei ihren Ermittlungen nur langsam voran, bis sich herausstellt, dass bei dem Tunnelbau und anderen öffentlichen Bauaufträgen viel manipuliert wurde und die Mafia wohl ihre Finger mit im Spiel hatte. Es fragt sich nur welcher Clan? Und warum musste Nicotra sterben?

Kulinarische Tipps vom Kommissar

Der Krimi „Das Bild der Pyramide“ ist der 22. Fall Montalbanos und lebt von den schrulligen Eskapaden des Kommissars und seiner Vorliebe für gutes sizilianischen Essen. Bei den Ermittlungen lässt es der Commisario geruhsam angehen, das Essen und die Zigarettenpause scheinen ihm manchmal wichtiger zu sein als die Aufklärung des Falles. So schleppen sich die Ermittlungen dahin. Der Kommissar und damit auch der Leser müssen sich lange Zeit mit spärlichen Informationen begnügen, die ein Netz aus Korruption und Intrigen bei der Vergabe von öffentlichen Bauaufträgen ans Licht bringen. Es dauert jedoch bis kurz vor dem Ende des Buches, bis Montalbano die Zusammenhänge zusammensetzt und den Fall löst, dies wirkt für mich allzu konstruiert.

Der neue Fall des sympathischen, aber auch etwas schrulligen Commisario Salvo Montalbano kommt unterhaltsam daher, aber trotz toller Charaktere und einer eindringlichen im Regen versinkenden Landschaft will der Funke nicht so recht überspringen.

Kurz&Knapp: Bedingt empfehlenswert. Ein unterhaltsamer Krimi aus Bella Italia.

Andrea Camilleri
Das Bild der Pyramide
Commissario Montalbano blickt hinter die Fassaden
Hardcover, 272 S.
Lübbe, 2020

Auch als eBook erhältlich.

Andrea Camilleri, 1925 in dem sizilianischen Küstenstädtchen Porto Empedocle (Provinz Agrigento) geboren, arbeitete lange Jahre als Essayist, Drehbuchautor und Regisseur sowie als Dozent. Sein literarisches Werk, in dem er sich vornehmlich mit seiner Heimat Sizilien auseinandersetzt, umfasst mehrere historische Romane und Kriminalromane. Insgesamt verfasste Camilleri mehr als 100 Bücher und galt als eine kritische Stimme in der italienischen Gegenwartsliteratur. Seine Kriminalromane um den sizilianischen Commissario Salvo Montalbano wurden in 30 Sprachen übersetzt und machten Camilleri international bekannt.

Ich danke Bastei-Lübbe für das Rezensionsexemplar.