Die Thriller-Rezension „Homo Lupus“ von Thomas Kiehl

Homo Lupus, Quelle: Benevento

Kurz vor der Bundestagswahl droht ein Attentat von einem arabischen Clan. In dem Thriller „Homo Lupus“ von Thomas Kiehl soll die Verhaltensbiologin Lena Bondroit mit ihrem Wissen über das Zusammenleben der Wölfe helfen und gerät selbst in Gefahr.

Fünf Jahre nach der Coronakrise. Kurz vor der Bundestagswahl erfährt der Verfassungsschutz von einem geplanten Attentat. Mutmaßlich hat ein libanesischer Clan die Absicht, einen Bombenanschlag zu verüben. Abteilungsleiter Stefan Ewald bleibt nicht viel Zeit, um die Absichten des Clans aufzudecken. Er zieht die Wolfsforscherin Lena Bondroit zu Rate, die ihm schon bei einem anderen Fall geholfen hat. Ihre Beobachtungen von Wolfsrudeln sollen Hinweise geben, um die Clanstrukturen besser zu verstehen und sie zu unterwandern. Rollen, Regeln und Rituale sorgen für den Zusammenhalt bei Wolfsfamilien und erlauben wichtige Rückschlüsse auf menschliches Verhalten.

Während dessen will der Kanzlerkandidat Jan Berger mit seiner populistischen Partei “Neue Bürgerliche Mitte“ die Mehrheit erringen und das Land aus dem „ganzen Schlamassel“ herausführen. Doch die Prognosen sehen dafür nicht gut aus, aber ein antidemokratischer Männerbund setzt alles daran, die Wahlen zu manipulieren.

Lena Bondroit, die sich eigentlich lieber um Familie und Wolfsforschung kümmert, wird aber in den Fall hineingezogen. Nicht nur die Clanmitglieder sind ihr auf den Fersen. Sie gerät in ein „undurchsichtiges Fadenkreuz aus Intrigen und skrupellosen Machtkämpfen“.

Wie auch schon in dem Thriller „Die Ameisenfrau“ steht die Biologin Lena Bondroit dem Kriminalisten Stefan Ewald bei den Ermittlungen hilfreich zur Seite, nur diesmal sind es nicht Ameisen mit denen sie sich beschäftigt, sondern das Verhalten von Wölfen und ihre Rudelstruktur.

Ungewöhnliches Ermittler-Duo

Das ungewöhnliche Ermittler-Duo mit Kriminalist Stefan Ewald und Verhaltensbiologin Lena Bondroit fischt genauso wie die Leser lange Zeit im Trüben über die Absichten des Clans, dabei läuft ihnen die Zeit davon. Aber die Gefahr lauert noch von einer ganz anderen Seite.

Um Spannung aufzubauen, nutzt Kiehl verschiedene Handlungsstränge. Die laufenden Ermittlungen beim Verfassungsschutz verknüpft er mit Episoden aus Lenas Leben, die mittlerweile verheiratet ist, auf dem Land in der brandenburgischen Schorfheide lebt und sich um ihren 3 1/2-jährigen Sohn Jean kümmert. Außerdem beobachtet sie ein wild lebendes Wolfsrudel und betreibt ihre Feldforschung. Der dritte Erzählstrang dreht sich um die Machenschaften des machthungrigen Politikers Jan Berger und eines einflussreichen Männerbundes.

In die Krimihandlung hat Kiehl einige interessante Zeitthemen eingebaut, die er mit dem Fall verbindet. Es geht um Verhaltensbiologie, Politik und Wahlmanipulation, Finanzwelt und Börsencrash. Eine besondere Rolle spielen Familienstrukturen und Rituale, die an Bedeutung verloren haben. Ihnen räumt der Autor aber einen großen Stellenwert im Zusammenleben ein.

Der Spagat zwischen Thriller und Wissensvermittlung gelingt Kiehl nicht immer. Manches wirkt eher wie eingeflochten und bremst die Story aus, die stellenweise arg konstruiert wirkt. Dennoch ist „Homo Lupus“ ein unterhaltsamer Thriller, der nicht nur Spannung vermittelt, sondern auch wichtige gesellschaftliche und soziale Fragen aufwirft, über die es sich nachzudenken lohnt.

Kurz&Knapp: Zwiespältig. Ein unterhaltsamer Thriller, dessen Themen vor allem überzeugen.

Thomas Kiehl
Homo Lupus
Thriller
Klappenbroschur, 398 S.
Benevento, 2021

Thomas Kiehl ist Jurist und Berater – und bekennender Fan von biologischen Phänomenen. Seit seinem Studium fasziniert ihn außerdem die Frage, warum Menschen Staaten bilden und was das aus ihnen macht.

Ich danke Benevento für das Rezensionsexemplar.