Tsum Glück von Titus Arnu (Hrsg.)

Tsum Glück, Quelle: Sieveking

Authentische Einblicke vom urbanen Leben in einem entlegenen Tal im Himalaya zeigt der aufwendig gestaltete Bildband „Tsum Glück“. Abseits der Zivilisation leben die Talbewohner nach alten buddhistischen Traditionen im Einklang mit der Natur.

Der Himalaja ist für viele ein Sehnsuchtsort, wo man hofft, den Himmel näher zu sein. Der Fotograf Enno Kapitza und Journalist Titus Arnu machten sich auf zu einer ganz besonderen Reise. Sie wanderten über steile Pfade ins Tsum Tal, einer abgelegenen Region in Nepal zwischen hohen Sechs- und Siebentausendern. Die Region ist nur zu Fuß erreichbar und im tibetischen Buddhismus bekannt als „Tal des Glücks“.

Fotograf Anno Kapitza hat die Welt des Tales mit seinen Menschen, Tieren, Pflanzen und Steinen in beeindruckenden Bildern eingefangen. Es sind Aufnahmen, die aus der Zeit gefallen zu sein scheinen. Sie erzählen von der Ursprünglichkeit der Natur und der ursprünglichen Lebensweise des tibetischen Buddhismus, die weiterhin Bestand haben. Die ausdrucksstarken Porträts der jungen und alten Talbewohner spiegeln deutlich ihre sanfte, mitfühlende und freundliche Geisteshaltung wider.

Landleben und Buddhismus

Die Tsumpa, wie man die Bewohner des Hochtals nennt, pflegen eine besondere Tradition, die wie ein Gegenmodell zu unserer westlichen Welt wirkt. Die etwa 2500 Einwohner des Tals, die in 19 Dörfer leben, haben sich seit fast hundert Jahren zum Gewaltverzicht verpflichtet. Sie dürfen keine Nutztiere schlachten, jagen und fischen sind verboten und ein Großteil der Pflanzen steht ebenfalls unter Schutz. Die Menschen ernähren sich von dem wenigen Getreide und Gemüse, das auf ihren kargen Äckern gedeiht. Die meisten Familien sind arm und leben in einfachen Häusern aus Stein, Lehm und Holz. Das Leben der Tsumpas folgt dem Rhythmus der Natur und gründet sich auf buddhistische Traditionen, auch wenn mittlerweile die westliche Zivilisation ihre Spuren im abseitsliegenden Tal hinterlässt.

Eindrucksvolle Porträt- und Landschaftsaufnahmen

Im Tsum-Tal sind Quellen, Bäume, Höhlen und Seen heilig und viele Pflanzen und fast alle Tiere sind geschützt. Die Sakralisierung der Landschaft hat einen positiven Effekt auf die Natur und auf den Geist der Menschen.

Spektakuläre Landschaftsaufnahmen zeigen beeindruckende Berglandschaften mit schneebedeckten Gipfeln, steilen Abhängen und Bergwiesen, grünen Tälern und bunten Gebetsfahnen, die gute Wünsche mit dem Wind in die Welt tragen sollen.

Neben den eindrucksvollen Bildern von Land und Leuten berichten verschiedene Autoren von den Lebensgewohnheiten der Tsumpa sowie ihren buddhistischen Traditionen und der spirituellen Bedeutung des Tals. Das glückliche Tal ist eine sehr alte Vorstellung als ein paradiesischer Ort, in dem man in Frieden leben kann. Es ist sowohl ein realer Ort, zu dem sich einst tibetische Mönche flüchteten, als auch ein imaginärer Ort. Und sind die Menschen dort wirklich glücklicher? Das Leben dort ist einfach und hart und die Natur wild und rau, im Sommer herrscht der Monsun und im Winter schneit es viel.

„Tsum Glück“ ist ein aufwendig gestalteter Bildband mit edler Bindung, angefüllt mit eindrucksvollen Fotografien einer einzigartigen Landschaft. Der Bildband gibt authentische Einblicke in eine Lebenswelt, die heute noch selten anzutreffen ist. Die Talbewohner leben nach alten buddhistischen Traditionen und im Einklang mit der Natur. Ein Bildband, der den Blick dafür öffnet, dass es neben TV, Smartphone und modernen Komfort auch noch andere Dinge gibt, die im Leben wichtig sind.

Kurz&Knapp: Lesenswert. Ein aufwendig gestalteter Bildband mit eindrucksvollen Fotografien einer einzigartigen Landschaft und seiner urbanen Bevölkerung.

Tsum Glück
Ein entlegenes Tal im Himalaya
Fotograf Enno Kapitza
Herausgeber Titus Arnu
Texte von Titus Arnu, Karénina Kollmar-Paulenz, Nadine Plachta
Gebundene Ausgabe, 240 Seiten, 140 Abb.
Sieveking Verlag, 2018

Ich danke dem Sieveking Verlag für das Rezensionsexemplar.

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